AUF REISEN | 5 Tipps für die Reise mit der transsibirischen Eisenbahn

So ziemlich alle Menschen, denen ich von meinem Plan mit der transsibirischen Eisenbahn durch Russland zu fahren erzählte, schüttelten instant die Köpfe und fragten mich, ob ich denn keine Angst hätte. So ganz allein als Frau. Ich bin generell ein relativ angstbefreiter Mensch, was aber vor allem daran liegt, dass ich meistens nicht darüber nachdenke, was alles passieren könnte. Gerade wenn es ums Reisen geht, plane ich nicht gern und renne meistens einfach drauflos. Insgesamt habe ich mich in der transsibirischen Eisenbahn kein einziges Mal unwohl oder bedroht gefühlt. Im Gegenteil: Die mit mir reisenden Russen nahmen mich trotz fehlender Russischkenntnisse meinerseits und fehlender Englischkenntnisse ihrerseits liebevoll auf, boten mir Tee und russische Spezialitäten an und wurden nicht müde den Schaffnern zu erzählen, dass ich kein Russisch spräche. Sie wollten unbedingt herausfinden, warum ich als deutsche Frau denn gerade durch Russland fahren würde und dann auch noch Platzkart (die russische 3. Klasse). Dass mich Russland interessiert, konnten sie beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Vielleicht hatte ich Glück mit meinen russischen Bahn-Bekanntschaften, was ich mir aber eigentlich nicht vorstellen kann, da alle Russen, die ich kennenlernte ausnahmslos zuvorkommend und nett waren. Damit deine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn aber genauso schön wird wie meine, habe ich dir fünf Tipps aufgeschrieben – für das ultimative Transsib-Erlebnis.

1. Ich bin плацкартный (Platzkart) gefahren. Das ist gleichzusetzen mit der dritten Klasse. In den meisten Transsib-Zügen gibt es nur die zweite und die dritte Klasse. In der zweiten Klasse schläft man in Viererabteilen, in der dritten Klasse auf Liegen, die sich durch den gesamten Wagon ziehen. Als alleinreisende Frau kann ich die dritte Klasse empfehlen, da Übergriffe hier sehr unwahrscheinlich sind. Die Platzkart-Wagons gleichen einem Hosteldorm und man sollte sich unbedingt Ohrenstöpsel mitnehmen. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit hier nette Menschen kennenzulernen ob der größeren Auswahl höher. Bei der Buchung kann man, wenn man pünktlich bucht, entscheiden, welche Liege man beschlafen will. Es gibt jeweils zwei sich gegenüberliegende Betten (also insgesamt vier) auf der einen Seite des Wagons und zwei Liegen übereinander quer zum Fenster der anderen Seite. Wenn du größer als 1,70cm bist, dann würde ich dir empfehlen, die Liegen, die einander gegenüberliegend angeordnet sind, zu buchen, denn die Betten sind wahnsinnig kurz. Ich musste mich zusammenrollen um anständig schlafen zu können, als ich ein Bett vor dem Fenster hatte. Bei den anderen Liegen kannst du die Beine einfach in den Gang hängen lassen.

Betten in der Platzkart
Eisenbahn Transsib

2. In einigen alten Sowjet-Zügen kannst du erst eine Stunde nach Moskau (hier findest du übrigens einige Tipps zu Moskau) das Klo benutzen. Dies liegt daran, dass die Ausscheidungen einfach durch ein Loch im Boden auf die Schienen fallen und man diese Exkremente nicht in der Stadt haben will. Da eine Stunde, wenn man mal muss, aber eine lange Zeit sein kann, solltest du bevor es losgeht nochmal auf Klo gehen. Vielleicht hast du aber auch Glück und erwischt keinen dieser ganz alten Züge.

3. Am Anfang trug ich eine Bauchtasche, in der ich Reisedokumente, Geld und mein Handy verwahrte. Ich lernte aber relativ schnell, dass die Russen nicht klauen. Zumindest nicht, wenn sie gemeinsam mit einer Eisenbahn fahren und das teilweise tagelang. In meinem ersten Zug gab es nur 5 Steckdosen pro Wagon. Davon hatten vier nur 50V und waren fast alle beinahe durchgehend belegt. Am Ende des Wagons, wo auch der Wasserboiler ist, hatte ein Mitfahrender eine Steckdosenleiste angebracht. Die Russen ließen ihre Handys teilweise über Nacht laden, während sie selbst schliefen. Es hatte offensichtlich keiner Angst um sein Telefon. Wenn ihr das trotzdem nicht riskieren wollt oder mal wieder alle Steckplätze belegt sind, empfehle ich eine geladene Powerbank mitzunehmen. Ein Handy bei 50V zu laden kann nämlich eine Weile dauern.

Novosibirsk Bahnhof
Bahnhof Sludvyanka
Blick aus dem Zugfenster transsibirische Eisenbahn Transsib
Druck spielen mit Russen

4. Es gibt in den meisten Zügen nur eher tröpfelndes fließend Wasser. Wenn du dich also waschen willst, was unerheblich ist, da ausnahmslos alle, die länger Zug fahren, schwitzen und stinken, dann solltest du Feuchttücher und am besten auch Desinfikationstücher mitnehmen. Ein gutes Deo ist ebenfalls obligatorisch. 

5. Mein Lieblingstipp: Lern Durak! Jeder Russe kennt dieses Spiel und kann es spielen. Auch wenn du dich nicht mit ihnen unterhalten kannst, kannst du mit ihnen Karten spielen und das macht richtig Spaß. Zudem mag es jeder Einheimische, wenn sich Touristen ein wenig mit der Kultur des Reiselandes beschäftigt haben und zur russischen Kultur gehört auch dieses Kartenspiel. Wenn du fragst, ob du mitspielen kannst, wirst du in jeder Gruppe freudig willkommen geheißen. 

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Tipps geben, die dich weiterbringen. Alles in allem war meine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn eine wunderbare und ganz spezielle Erfahrung und ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe solche Reisen zu machen. Man sollte das Privileg reisen zu können, wo immer man hinwill, niemals unterschätzen.

xoxo Ruth
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3 Comments

  • Schöne Tipps und das mit dem Gefühl der Sicherheit kann ich nur bestätigen. Wenn man sein Handy über Nacht lädt kann es aber auch passieren das die Polizei es einsammelt, ist uns nämlich passiert, mein Mann hat es vergessen bzw. ist eingeschlafen und dann war es Nachts plötzlich weg, wir bekamen es am nächsten Tag wieder von der Polizei mit dem Hinweis es nicht über Nacht liegen zu lassen! Ein guter Tipp ist es auch einfach einen Mehrfachstecker mitzunehmen, damit eben mehr die Steckdosen nutzen können, bei einigen Zügen hat man inzwischen auch Steckdosen im Abteil.
    Welche Toiletten man hat sieht man bei der Buchung, die modernen Toiletten sind die mit dem Blatt über dem WC Zeichen, sogenannte BioWC. Die anderen Toiletten sind ja nicht nur um Moskau gesperrt sondern vor u. nach jedem großen Bahnhof , die Schließzeiten stehen an den Toilettentüren. Kennst du diese Toiletten nicht mehr, klingt so erstaunt, so war es früher immer! Bin mal etwas älter wie du ;-).

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