AUF REISEN | Der Japan Rail Pass – 7 Städte in 7 Tagen

Insgesamt verbrachte ich ziemlich genau einen Monat in Japan. Als ich in Tokyo landete, hatte ich noch gar keinen genauen Plan, wie ich meine Zeit verbringen wollte. Mein Couchsurfing-Host Elena empfahl mir den Japan Rail Pass. Davon hatte ich auch in Deutschland schon gehört und ich hatte das Glück, dass ich noch genau in der einjährigen Testphase ankam, in der Touristen das Ticket auch in Japan erwerben konnten. Normalerweise muss es schon vor der Reise beantragt werden.

Ich setzte mich also einen Vormittag lang mit einer riesigen Japankarte, meinem Smartphone und einem Notizblock auf Elenas Zimmerfußboden und überlegte, welche Orte in Japan ich besuchen wollte und in welcher Reihenfolge dies am Sinnvollsten wäre. Am Ende hatte ich einen ziemlich genauen Plan, der früh morgens in Kyoto am Bahnhof startete. Der Plan beinhaltete 7 Städte und 2 Inseln in 7 Tagen.

Fukuoka

Mein Zug fuhr gegen sieben Uhr in Kyoto los, sodass ich schon um zehn Uhr in Fukuoka ankam. Für eine Strecke von über 600km braucht der Shinkansen nur drei Stunden, allein das war ziemlich beeindruckend. Der Morgen war der Beginn einer Woche, in der ich verdammt viel Zeit im Zug verbringen würde. Mein Hostel „THE LIFE“ war nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt, sodass ich schon ein wenig von der Stadt sah. Ich legte meinen Rucksack ab und schaute mir einige Tempel an. Nachdem ich aber direkt aus Kyoto kam, war es nicht mehr ganz so spannend. Außerdem besuchte ich den Fukuoka Tower, eine Aussichtsplattform und mehrere Shopping Malls – wo ich unter anderem einen lebensgroßen Totoro traf. Abgesehen vom Shopping hatte die Stadt aber nicht viel zu bieten, also nutzte ich den Abend in Fukuoka und telefonierte nach Hause.

Totoro Fukuoka

Nagasaki

Auch am nächsten Tag ging es wieder früh los – ausgehend von Fukuoka machte ich einen Tagestrip nach Nagasaki. Abgesehen von der Atombombe verband ich nicht viel mit der Stadt und wurde sehr überrascht. Ich machte mich als Erstes auf den Weg zum Hafen, um eine Bootstour zu buchen, aber die Fähre nach Hashima Island war gerade weg.

Das Atombomben-Museum

Also entschied ich mich für eine Tour am Nachmittag und machte mich auf den Weg zum Ground Zero und dem Atombomben-Museum. Der Ort berührte mich zutiefst. Die Atombomben-Anschläge erschienen mir immer soweit weg, aber jetzt, wo ich am Einschlagort stand, fühlte es sich mindestens fünf Grad kälter an. Das schlimmste war ein Video von fröhlichen Amerikanern, die den „Fat Man“ gelb anmalten und dabei vor sich hin pfiffen. Habt ihr gewusst, dass die Atombomben ursprünglich für Deutschland gedacht waren, aber nachdem Deutschland kapituliert hatte, nun über Japan „getestet“ werden sollten? Was hat es sonst für einen Grund gegeben zwei Bomben zu werfen, nachdem Japan auch schon beinahe besiegt war? Ich finde das so unglaublich schrecklich, dass Menschen einfach nur aus Machtgefühlen gestorben sind und kann jedem nur empfehlen sich dieses Mahnmal auf einer Japanreise anzusehen. Das Museum ist liebevoll und sehr achtsam gestaltet. Ich war mehrmals den Tränen nahe und kann jetzt soviel mehr nachfühlen, warum es nie wieder einen Weltkrieg geben darf.

Die Bootstour

Nach meinem Besuch im Museum fühlte sich die Stadt irgendwie kälter an. Außerdem hatte es angefangen zu regnen und ich trat meine gebuchte Bootstour an. Landschaftlich gab es hier viel zu sehen und der riesige Industriehafen von Nagasaki ist auf jeden Fall einen Blick wert. Trotzdem war die Tour für mich eher ein „Kann“ als ein „Muss“.

Glover Garden

Der Glover Garden wurde vom schottischen Kaufmann Thomas Blake Glover in Auftrag gegeben. Ich hatte etwas länger überlegt, ob ich ihn mir ansehe, da er 600 Yen Eintritt (knapp 5€) kostete, war dann aber sehr froh es noch getan zu haben. Vom Glover Garden hat man einen perfekten Ausblick über den Hafen und die Stadt und es ist einfach ein sehr friedlicher und toll gepflegter Ort. Außerdem gibt es einige Häuser, die eine Mischarchitektur aus japanischer und englischer Bauart sind und Museumselemente beinhalten, das ist sehr spannend.

Allgemein fühlte sich Nagasaki für mich ganz anders an, als alle anderen japanischen Städte. Zum einen war sie viel traditioneller, aber auch viel stärker westlich geprägt. Es war z.B. der einzige Ort, in dem ich Kirchen gesehen habe. Außerdem ist die Architektur teils europäisch angehaucht wie im Glover Garden. Man merkt, dass es sich um eine Hafenstadt handelt, wo früher viele Kaufleute ankamen und sich niederließen. Mir hat die Stadt wahnsinnig gut gefallen und ich würde unbedingt nochmal wiederkommen. Abends fuhr ich dann zurück nach Fukuoka.

Ground Zero Nagasaki
Nagasaki Bootstour
Nagasaki Bootstour
Nagasaki Bootstour
Nagasaki
Nagasaki Japan Rail Pass

Miyajima

In Tokyo schwärmten mir mehrere Menschen von Miyajima vor. Die kleine Insel liegt auf der Strecke zwischen Fukuoka und Hiroshima und war somit perfekt auf meiner Reiseroute. Da die Fähre zu dieser kleinen Insel zu JR (Japan Railways) gehört, ist die Überfahrt in meinem Japan Rail Pass inkludiert gewesen. Meinen großen Reiserucksack ließ ich in einem Spind am nächstgrößeren Bahnhof.

Das Wetter war perfekt zum Wandern, vormittags hatte es geregnet, aber als ich ankam war es nur noch bewölkt und um die 15°C. Und das war es auch, was ich drei Stunden auf Miyajima tat: Wandern. Von dem Berg in der Mitte der Insel hatte man eine tolle Aussicht und der Tempel, an dem ich vorbeikam, ist wohl der schönste und friedlichste Ort, den ich je besucht habe. Mehrere tausend Buddhas befanden sich hier überall, wohin man auch schaute. Wunderschön und unbedingt einen Besuch wert.

Nachdem ich einen tollen Tag auf der Insel verbrachte, fuhr ich weiter nach Hiroshima, wo ich aber erst abends ankam.

Miyajima
Miyajima
Miyajima Schrein
Miyajima Schrein
Miyajima wilde Rehe
Dead End

Hiroshima

Zu Hiroshima kann ich leider nicht viel berichten, da ich dort spät ankam und früh wieder losfuhr, sodass ich dort nur die Nacht verbrachte. Bevor ich ins Bett ging, machte ich noch einen Spaziergang zum Peace Park, wo als Mahnmal einige verfallene Häuser standen, die von der Bombe übel zugerichtet waren. Ich entschied mich bewusst gegen einen Besuch im Museum, da ich ja gerade am Tag zuvor in Nagasaki im Atombomben-Museum gewesen war und es mir emotional einfach nicht zutraute. Ich hatte ein sehr nettes Hostel, namens Hostel Mallika, in dem es Frühstück gab, was in Japan eher selten ist.

Hiroshima

Okunoshima

Okunoshima – die Kanincheninsel. Nachdem ich Bilder gesehen hatte, habe ich erwartet, dass es überall von zahmen Kaninchen nur so wimmelt, aber das war tatsächlich nicht der Fall. Es gab schon einige, die auch so zahm waren, dass sie einem aus der Hand fraßen, aber nicht viele, wie es den Anschein auf den Fotos hatte.

Ansonsten hatte die Insel einen fast karibischen Flair und mitten drin standen Ruinen aus dem zweiten Weltkrieg. Trotz Hasen-Enttäuschung war es ein sehr cooler Ort zum Wandern, an dem ich einen schönen Vormittag verbrachte. Obwohl Okunoshima und Miyajima keine 100km voneiander entfernt sind, sind die beiden Inseln sehr unterschiedlich. Miyajima ist ein Ort der Ruhe mit Tempeln und viel Wald, während auf Okunoshima abgesehen von einem Hotel nur Ruinen stehen.

Okunoshima Kanincheninsel
Okunoshima Kanincheninsel
Okunoshima Kanincheninsel

Himeji

Nachdem ich den Vormittag auf Okunoshima wandern gewesen war, verbrachte ich den Abend in Himeji. Langsam wurde alles ein wenig anstrengend und ich fühlte mich gestresst. Das berühmte Himeji Castle wollte ich unbedingt sehen, aber als ich ankam, hatte es schon geschlossen. Es fühlte sich etwas surreal an, davor zu stehen. In Himeji aß ich noch schnell die regionale Spezialität Ekisoba (sehr zu empfehlen) und nahm dann den letzten Zug nach Osaka, wo ich eine Nacht in meinem liebgewonnenen „Four Letter Words“-Hostel verbrachte, da es sowieso auf der Strecke lag und ich bei Himeji kein preiswertes Hostel finden konnte.

Himeji Castle

Nikko

Der Weg nach Nikko war ziemlich weit und ich war von den vergangenen Tagen schon sehr erschöpft. Nikko ist eher ein kleiner, aber hübscher Kurort. Unter anderem befindet sich hier der prächtige Nikkō Tōshō-gū-Schrein. In Nikko traf ich meine Freundin Karin wieder und wir wanderten unter anderem gemeinsam zum Kanmangafuchi Abyss, einer wunderschönen Stromschnelle, aßen dort japanisches Gebäck und tranken etwas Sake. Ich nächtigte in einem sehr traditionellen Hostel.

Am nächsten Tag hatte ich endlich mal Zeit und machte mich auf den Weg zu einem „Tattoo-Friendly“-Onsen, einer Art japanisches Spa, in der Nähe von Nikko. Ich stieg irgendwo im Nirgendwo aus und lief 1,5km durch den Wald bis ich vor einem geschlossenen Hotel stand. Zum Gück war nicht weit entfernt noch ein weiteres Onsen, das Kinugawa Koen Iwaburo – Tochigi, das dann auch geöffnet hatte. Nachdem ich seit Tagen unterwegs war und jeden Tag viel wanderte und ansah, war dieser Tag Balsam für die Seele.

Nikko
Nikko Kanmangafuchi
Nikko Kanmangafuchi

Nagano

Der letzte der sieben Tage war gekommen. An diesem Tag wollte ich nach Nagano fahren, um dort die badenden Snow Monkeys anzusehen. In Nagano angekommen stellte ich fest, dass der Snow Monkey Park ziemlich weit weg war und dass es mich 3500 Yen (etwa 28 Euro) kostete ein Ticket zum Park (mit Eintritt) und zurück zu lösen. Das fand ich viel, da ich aber schon so weit gekommen war, entschied ich mich trotzdem zu fahren. Der Park war schön und die zahmen Äffchen sehr niedlich, da ich aber in Kyoto auch schon Affen gesehen hatte, war es auch nichts komplett Neues mehr und ich würde das Geld nicht nochmal bezahlen.

Am Abend ging es dann weiter nach Fuji, wo ich erst sehr spät nachts ankam.

Äffchen Nagano
Äffchen Nagano Snow Monkey Pass

Fuji

Das Hostel, das ich in Fuji bewohnte, war ziemlich leer. Die meiste Zeit war ich der einzige Gast dort. Der Hostel Manager konnte mich allerdings sehr gut leiden und bekochte mich täglich, während er mir in schlechtem Englisch Liebesgeständnisse machte. Ich blieb vier Nächte in Fuji und hatte mir vorgenommen nicht viel zu tun, wofür das gemütliche Hostel perfekt war. Einmal ging ich ein wenig spazieren, den anderen Tag nahm mich der Manager mit seinen Freunden mit in eine Kneipe und am letzten Tag holte mich dann ein Kumpel des Managers ab, um mir die Gegend zu zeigen. Er fuhr mich den gesamten Tag mit dem Auto durch die Gegend, zeigte mir die Shiraito Falls, einen großen Tempel und den Strand von Fuji. Am Abend kam ich vollkommen erschöpft nach Hause, aber es fühlte sich gut an.

Fuji Stadt
Shizuoka Shiraito-no-taki Wasserfälle

Genau das liebe ich so am Reisen: Dass man morgens aufsteht und oft noch gar nicht weiß, was man erleben wird. Dass manchmal andere Pläne für einen machen und einen einfach überraschen. Der Japan Rail Pass war eine tolle Idee und ich würde ihn unbedingt empfehlen, da man so einen noch viel tieferen Eindruck in das Land bekommt.

Von Fuji fuhr ich dann zurück nach Tokyo, wo ich noch zwei turbulente Tage (und Nächte) verbrachte, bevor ich dann nach Bali flog.

xoxo Ruth
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