GEDANKEN | Für immer ist ganz schön lang!

2011. Es ist 2:00h nachts und wir stehen am Tresen einer McDonalds-Filiale, die es heute nicht mehr gibt. „Selbst wenn wir uns mal trennen, befreundet bleiben wir auf ewig. Das verspreche ich dir!“, sagt er zu mir und dann küsst er mich. 

Ob wir heute noch befreundet sind, muss ich wohl nicht ausführen. Nach einer schier endlosen Trennungsphase versuchten wir Freunde zu sein. Es klappte nicht, wir landeten regelmäßig miteinander im Bett. Wir hatten Beziehungen, trennten uns und schliefen doch wieder miteinander. Irgendwann verliebte ich mich in jemanden Anderen. Nach all dieser Zeit tat mir das mehr als nur gut. Es dauerte nicht lang bis wir uns aus den Augen verloren.

Und nun sind wir ganz plötzlich in diesem Alter, wo Heiraten und Kinder kriegen auf einmal Thema ist. Die ersten Freunde fangen bereits damit an. „Für immer“ versprechen sie sich da vorm Traualtar. Wenn ich so an früher denke, kommt mir „Für immer“ unglaublich lang vor. Hätte man mich damals gefragt, ob er und ich „für immer“ sein werden, hätte ich das mit einem kindlich naiven „Ja“ beantwortet. Wenn ich zurückblicke, dann kannte ich viele Menschen, die mir heute sehr wichtig sind, damals noch nicht einmal. Andere Menschen waren mir zwischendurch mal wichtig und sind es jetzt schon wieder nicht mehr.

Es gibt diese Menschen, diese paar wenigen, die mir wichtig bleiben, auch wenn ich den Kontakt verliere, weil sie wie Familie geworden sind. Er gehörte nicht dazu. Niemand weiß, wie lange Freunde noch bleiben oder ob man irgendwann alte Fotos durchwühlt und sich kaum noch an den Namen des Menschen neben einem erinnern kann. Wenn ich zehn Jahre zurückdenke, sind mir von meinen damaligen Freundinnen nur drei geblieben – zwei von ihnen sehe ich nur selten.

Ich brauche kein „Für immer“, wenn ich in diesem Moment lebe. Wenn ich neben ihm aufwache und einschlafe und beim Löffeln seinen flachen Atem in meinem Nacken spüre. Wenn er meine Arme nimmt und sich selbst damit umarmt. Wir sind das perfekte Team und ich bin überglücklich ihn getroffen zu haben. Aber „Für immer“ das ist mir irgendwie zu groß und zu lang. „Für jetzt und lange“ – so lange, wie es sich schön anfühlt – das verspreche ich ihm gerne. Und schön bedeutet nicht, dass eine Beziehung nicht auch mal harte Arbeit sein kann und auch mal nervenaufreibend oder einfach anstrengend, sondern dass wir uns miteinander wohlfühlen. Ich finde nicht, dass man zusammenbleiben muss, wenn es einfach nur noch doof ist. Heiraten will ich trotzdem irgendwann, weil ich an eine gute Zeit glaube und ja auch daran, dass es „Für immer“ sein kann. Aber eben nicht um jeden Preis sein muss.

xoxo Ruth
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