ON TOUR | Mit der Bergensbanen nach Bergen

Wer mir auf Instagram folgt, hat es vielleicht schon mitbekommen: In letzter Zeit ging es mir nicht so gut. Meine dreijährige Beziehung hat ein Ende gefunden und das ist immer traurig, aber man sollte aus allem schlechten etwas Gutes ziehen und so suche ich jetzt eine Mitbewohnerin und freue mich auf mein Single-Dasein.

Drei Tage nach der Trennung saß ich zuhause und hielt es einfach nicht mehr aus. Alles dort erinnerte mich an ihn und an uns. Irgendwie landete ich dann auf der Seite von Eurowings und beim „Blind Booking“. Der Flug für den nächsten Tag war schnell gebucht und es wurde Oslo. Da ich im Dezember/Januar bereits in Oslo war, hatte ich nicht vor dort zu bleiben und überlegte von Oslo die Bahn nach Bergen zu nehmen, denn die Strecke sollte eine der schönsten Bahnstrecken Europas sein. Früh morgens stand ich also in Oslo am Flughafen und holte mir ein Ticket für die Fahrt mit der Bergensbanen nach Bergen. Dann fuhr ich zum Hauptbahnhof, kaufte mir ein Brötchen und setzte mich auf die Oper um zu frühstücken. Es war noch ziemlich kalt dort und ich war froh, dass ich meine dicke Winterjacke angezogen hatte.

Um 12:00h ging dann mein Zug und nach einigen unangenehmen Begegnungen mit Norwegern hatte ich dann endlich einen schönen Platz am Fenster und konnte dank Comfort Klasse gratis Tee trinken. Die Strecke enttäuschte mich nicht, sie war der absolute Wahnsinn. Ich fotografierte, zeichnete und schrieb die ganze Zeit oder schaute einfach nur aus dem Fenster. In den Tunnelabschnitten lass ich „The Little Prince“ und machte mir Gedanken über die Worte von Antoine de Saint-Exupéry.

Bergensbanen

Da der Hauptbahnhof der Stadt Bergen momentan im Umbau ist, musste ich in Voss in einen Reisebus umsteigen. Es wurde langsam dunkel und ich konnte die zahlreichen Wasserfälle, die der norwegische Frühling mit sich bringt, wenn das Eis oben auf den Bergen langsam schmilzt, nur noch schemenhaft erkennen. Irgendwann schlief ich mit Clueso auf den Ohren ein und wachte erst wenige Minuten vor Bergen wieder auf. Die Lichter der Stadt wirkten so einladend auf mich und ich fühlte mich  irgendwie so angekommen, obwohl ich noch nicht einmal wusste, wo ich schlafen würde.

Zum Glück gibt es in Norwegen viele WLAN-Spots und so hatte ich mir schnell ein Hostel auf dem Berg Ulriken ausgesucht, zu dem ich dann mit dem Bus fuhr. Oben angekommen fragte ich nach einem freien Bett und bekam eins in einem 18-Mann-Schlafsaal. Nachdem ich noch einen kleinen Spaziergang zum Supermarkt machte um mir Abendbrot zu beschaffen und dabei die Lichter der Stadt Bergen von oben bestaunen konnte, legte ich mich endlich schlafen. Der Tag war lang gewesen, ich war mehr als 14 Stunden gereist und das Bett war wahnsinnig unkomfortabel, zumal ich es mit meinem Rucksack teilte, aber ich war zufrieden.

Wandern Bergen
Wandern Bergen

Der nächste Tag begann und nach einem (für norwegische Verhältnisse) echt anständigem Frühstück im Hostel begann ich den Ulriken zu bewandern. Je weiter ich kam, desto stärker fiel der Schnee an zu fallen, sodass ich nach 2km abbrechen musste und zurück ins Hostel ging, weil ich komplett durchnässt war. Ich wärmte mich ein wenig auf und lief dann zu Fuß in die Stadt.

Nachdem ich mir die Stadt ein wenig angesehen hatte, bestellte ich mir einen Kakao und setzte mich bei Starbucks ans Fenster. Es fing immer wieder an zu regnen und ich zeichnete die Menschen mit ihren Regenschirmen und genoss die Stadt und das Alleinsein zum ersten Mal so richtig. Irgendwann kam die Sonne raus und ich fühlte mich wie der glücklichste Mensch der Welt in dieser wunderbaren Stadt die Sonne zu sehen. Als ich am Abend den Bus nach Voss nahm, wo ich in den Nachtzug nach Oslo umsteigen würde, hatte ich 24km Strecke zu Fuß zurücklegt.

Bergen
Bergen Starbucks
Starbucks Bergen

Kurz bevor ich morgens in Oslo ankam, wurde ich wach und konnte einen wunderschönen Sonnenaufgang über der Stadt bewundern. Es war eine der umbequemsten Nächte meines Leben und mir tat wirklich alles weh als ich um 6:00h aus dem Zug stieg und im, zum Glück beheizten, Osloer Bahnhof auf einer Bank noch eine Stunde schlief, aber ich war zufrieden. Es war ein schöner Kurztrip gewesen und das erste Mal, dass ich allein so weit weg von Zuhause war. Zwar hatte ich viel mit Freunden geschrieben und auch bei Instagram Stories gepostet, aber ich hatte die Reise ansonsten nur für mich erlebt. War ganz alleine gewesen und konnte es trotzdem genießen.

Ich habe mir selbst bewiesen, dass Alleine Sein nichts Schlimmes ist. Dass man manchmal um sich selbst zu finden, sogar alleine sein muss.  Ich weiß ein bisschen mehr, was ich will. Und außerdem weiß ich, wie mein nächstes Tattoo aussehen wird, denn es soll mich immer an diese Erfahrung erinnern.

xoxo Ruth
Instagram
| Twitter | Follow Me

1 Comment

  • Also erst einmal tut es mir schrecklich leid, von deiner Trennung zu hören. Ich folge dir ja auf Instagram und habe zwar mitbekommen, dass du alleine verreist bist, aber nicht wieso. Sowas ist nie schön und ich hoffe Bergen hat dir etwas geholfen, den Schmerz wenigstens für kurze Zeit zu vergessen. Deine Fotos sehen auf jeden Fall sehr schön aus und auch dein Reisebericht hört sich nach einem schönen Trip an. Ich „kenne“ Bergen vor allem durch die Krimi-Romane von Jo Nesbo – der Protagonist geht da einmal hin wegen einem Fall. Ich fand diesen Ort im Buch schon sehr spannend und habe ich danach auch gegoogelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.