THOUGHTS | So geht es nicht mehr…

Dass ich die Bloggerwelt häufig nicht leiden kann, ist kein Geheimnis, aber meine Reise nach Venedig hat mir gezeigt, wie sehr mich diese oberflächliche und auch falsche Welt innerlich fertig macht. In Venedig war ich mit einigen anderen Leuten aus meiner Hochschule, sodass ich mich eine Woche lang wirklich gar nicht mit dem Bloggen beschäftigt habe. Ich habe weder ein Outfit geshootet, noch meine Statistiken gecheckt, hatte nicht einmal meinen Laptop mitgenommen. Und ich war zum ersten Mal seit langem wieder richtig zufrieden. Es war eine wunderschöne Reise mit wunderbaren Menschen, die sich keinen Deut für Reichweite oder solche Dinge interessieren, sondern einfach für mich als Person. Ohne Blog. Ohne Instagram-Follower. In letzter Zeit war ich auf extrem vielen Press Days und Blogveranstaltungen, einige waren schön, von anderen war ich sehr desillusioniert. Dabei habe ich nichtmal gemerkt wie tief ich schon in der Branche drin war und wie sehr mich das oberflächliche Getue – Hype um Hype – erschöpft hat.

Auf der Reise besuchte ich die Biennale, eine riesengroße Kunstausstellung, und tauschte mich mit vielen anderen Studenten aus; das hat meinen Horizont um einige schöne neue Denkweisen erweitert. Ich bekam Lust wieder zu zeichnen und zu malen, etwas was ich seit einiger Zeit sträflich vernachlässige. Das, was ich hier auf dem Blog tue, kam mir plötzlich so unrelevant vor. Meine komplette Freizeit stecke ich in diesen Blog und momentan rege ich mich häufiger über diese Welt auf, als dass ich glücklich wäre. Soziale Kontakte stehen hinter Schlafen, in Venedig war das nicht so. Ich habe das getan, was man Leben nennt. Und in dem Moment war es vollkommen egal, ob meine Tasche von Chanel war oder nur eine günstige Replica. Weil das nicht wichtig ist, wenn man eine tolle Zeit hat. Weil 3000€ besser in eine wunderbare Reise investiert sind, als in eine teure Tasche. Die Reise hat mir einen neuen Denkanstoß gegeben und das finde ich total schön, ich muss mein Leben mit Blog jetzt erstmal neu austarieren, denn aufhören will ich nicht, aber mir ist bewusst geworden, dass ich auch nicht so weitermachen möchte.

Ich kann nicht mehr für den Blog leben und wenn das bedeutet, dass ich weniger poste. Mir fehlt soviel Kultur in meinem Leben: Dass ich ein gutes Buch gelesen habe, ist sicherlich drei Jahre her. Ich besuche gefühlt nur alle halbe Jahr eine Kunstausstellung, gehe selten ins Theater oder ins Kino. Ich habe aufgehört zu malen und skizzieren. Wahrscheinlich kann man all dies nicht unbedingt nur auf den Blog zurückführen, aber Apps wie Snapchat und Instagram fressen ebenfalls so unheimlich viel Zeit. Snapchat habe ich gerade wieder deinstalliert, weil ich es als unnötige Zeitverschwendung empfunden habe. Meist öffnete ich die App aus Langeweile anstatt mein Skizzenbuch oder einen Roman zur Hand zu nehmen. Aber genau das werde ich nun tun: Ein Buch lesen!

xoxo Ruth

14 Comments

  • Ich hatte Mitte des Jahres so etwas ähnliches bei mir festgestellt, als ich in Paris war. Irgendwie kommt die Lustlosigkeit am Bloggen zusammen mit einem Abstumpfen gegenüber anderen schönen Dingen. Das Lesen (und auch Basteln) habe ich auf jeden Fall auch für mich wiederentdeckt :)

    Liebst, ina

    Visit me at Petite Saigon

  • Hey,
    Dein Betrag gefällt mir gut, als ich die ersten Sätze gelesen habe, war ich so neugierig und musste bis unten hin lesen. Ich bin noch ein junges Frucht, in der Blogger Szene und kann das deshalb wenig sagen ob es mir genau so geht. Nur sehe ich das was du geschrieben hast als Mahnung, man sollte Sachen die man vorher gerne gemacht hat nicht vernachlässigen. Das Bloggen gehört zu einem Hobby aber man hat noch viele andere Hobbys zu nach gehen, deswegen sollte man ein gleichwicht finden!

    Danke für diesen Beitrag!
    Und bin gespannt wie du es ändern willst :)

    InLove,
    Ayat von http://www.Flashyurface.blogspot.de

  • Sehr schöner Artikel!
    Unser Blog ist zwar aus einer ganz anderen Sparte, aber ich sehe und höre oft, dass die Leute „das Genießen; das Leben“ vergessen. Der Tagesablauf dreht sich nur noch um den Blog. Schade.
    Oft sitzen wir mit Freunden zusammen und wenn ich Fotos mache, verkrampft sich alles. Mittlerweile hat es sich rumgesprochen, dass davon nichts im Blog erscheint….
    Genieße das Leben, Du wirst Deinen Weg bestimmt finden!
    Liebe Grüsse

  • Allem neuen wohnt ein Zauber inne.
    Wenn ihr das neue auf die Spitze treibt verliert ihr recht schnell komplett die Lust. Ihr verschiesst euer Schiesspulver. Mach nichts zu lange könnte die Konsequenz daraus sein.

  • Guter Beitrag!
    Ich finde es auch wichtig, noch mehr Leben zu haben, als nur das virtuelle bzw. den Blog.
    Es ist total entspannend, mal nicht online sein zu müssen. Schöne reale Erlebnisse und Kontakt zu realen Menschen inspirieren und machen glücklich – diese Energie kann man auch für das Bloggen gut brauen und für die Seele sowieso.
    Liebe Grüße
    Susi

  • Hallo Ruth,
    vielen herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag und die ehrlichen Worte! Ich glaube, wir beide haben damals etwa zur gleichen Zeit mit dem Bloggen angefangen und bei mir ist es ähnlich: der Blog frist unglaublich viel Zeit und andere Sachen, die man lieb gewonnen hat, treten in den Hintergrund oder sind komplett aus meinem Leben verschwunden. Das Bloggen macht mir immer noch großen Spaß, aber manchmal bin ich da sehr im Zwiespalt! Ich hoffe, du findest einen Weg der dich glücklich macht! <3

    Ganz liebe Grüße
    Yvonne von The Beauty of Oz

  • Ach du, welch toller Beitrag. Ich fühle so richtig mit dir.

    Ich wünsche dir eine wundervolle Zeit des „neu erfinden“, das wird sicher spannend und ich bin sehr gespannt was so passiert. :-)

    1000 liebe Grüße aus dem Gemüseregal,
    Franzi

  • Einen wunderschönen Guten Abend,

    ein sehr lesenswerter Artikel! Ich blogge nun noch nicht so lange, dass ich sagen kann ich würde durch den Blog an Lebensqualität einbüßen. Ich hoffe natürlich auch, dass dieser Zeitpunkt nicht so schnell kommen wird. Aber wir betreiben unseren Blog auch zu zweit, was die „Lieferung“ des Content ein kleines bisschen einfacher gestaltet. Dennoch ertappe ich mich täglich dabei, dass ich bei Analytics rein schaue, wie die Zahlen sich bewegen. Man begibt sich auf jeden Fall in eine Abhängigkeit in die man sich erst einmal einleben muss.
    Ich wünsch Dir auf jeden Fall viel Spass in Deinem Leben, egal welchen Weg Du gehst.

    Liebe Grüße
    Matthias

  • Hallo Ruth,

    wow. Eine Woche los lassen. Ich glaube, dass ich dazu zu süchtig bin … Ich bin gespannt wo dich deine Reise hin führt. Dieses Thema taucht gerade wieder vermehrt in Blogs auf und ich frage mich, wieso wir Blogger diese Phasen durchmachen. Vielleicht brauchen wir das auch, um uns neu und besser zu erfinden.

    Ich finde es übrigens sehr krass wie unterschiedlich diese Blogwelten sind. Ich bewege mich ja in unglaublich vielen, vor allem in der Beauty- und der Travelblogwelt. Aber auch die Food- oder Lifestyleblogs begegnen mir auf Orten wie der Blogst in meiner Heimat. Die fashion Welt ist kaum da und sie ist die professionellste auf der aber am Härtesten gespielt wird. Wahrscheinlich gibt es eines Tages für den „Der Teufel trägt Prada“-Film einen Nachfolger, der dann in der Blogwelt spielt.
    Ich lese gerade übrigens die After-Serie. Echt nichts weltbewegendes, aber es ist wie du schreibst, einfach mal auch schön, einen Roman in der Hand zu haben. Habe ich seit dem Blog auch viel weniger getan als früher und will das jetzt bewusst wieder machen!

    Viele liebe Grüße
    Tanja

  • Hallo liebe Ruth,

    ich liebe deinen Blog auch wenn ich nur selten zum Kommentieren komme und ich folge dir schon seit einer gefühlten Ewigkeit – es ist fast so als würde man sich als Menschen kennen und ich verstehe total was du meinst. Das ganze „Mithalten“ und bei jedem Hype mit dabei sein stresst total und ich hatte für lange Zeit vergessen tatsächlich zu leben.

    Oft habe ich mir aus Spaß die Frage gestellt, wenn du dieses und jenes nicht bei Instagram hochlädst, hast du es tatsächlich erlebt?

    Das Bloggen an sich macht mir immer noch unheimlich viel Spaß, aber ich glaube das Drumherum kann sehr stressig werden: Die „Community“ und die anderen sozialen Netzwerke – man dokumentiert zu vieles und erlebt viel weniger. Ich habe beispielsweise für mich gelernt, dass ich ein Instagrambild nicht unbedingt in jenem Moment hochladen muss, sondern auch Stunden später auf der Heimfahrt machen kann. KLingt zwar dämlich, aber ich habe oft direkt die Bilder hochladen ‚müssen‘ und dabei so viel Zeit in dem Moment selbst verpasst….

    Ich bin gespannt wie du dich entwickeln wirst und werde dir auf jeden Fall weiterhin neugierig folgen (:

    Liebst,
    Miu

  • Du hast es wirklich super auf den Punkt gebracht. Blogging soll am Ende ja auch noch Spaß machen und kein Zwang sein. Es geht immer darum, wer besser, toller, reicher, erfolgreicher usw. ist . Ohne dass man es merkt wurde man schon mit in den Bann gezogen. Ich muss mich auch manchmal dran erinnern, mal abzuschalten und nur an mich zu denken. Ich bin gespannt, was für einen Weg du in der Zukunft einschlägst!

  • Ich kann dich da schon verstehen :)
    Am Ende des Tages ist es auch wichtiger, dass du den Blog führst und schreibst weil es dir Spaß macht und nicht weil du es musst. Ich denke, so etwas würde der Leser auch merken, wenn ein paar Posts nur noch halbherzig wären. Ich hab es lieber du liest deine Bücher und veröffentlichst seltener was als jeden Tag ein Post aber dann total ungern.
    Liebe Grüße ♥

  • Was du beschreibst, geht mir auch schon lange so. Ich habe das Gefühl, dass viele nach viel Reichweite und Erfolg streben und dabei ihr Privatleben vernachlässigen. Ich war dieses Jahr sehr lange inaktiv, weil ich eine Auszeit brauchte. Weil es mich fertig gemacht hat wie sehr ich mich von Statistiken und Followerzahlen abhängig gemacht habe.

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