THOUGHTS & OUTFIT | Ich schäme mich fürs Bloggen

Wenn ich neue Leute in einem blogunabhängigen Kontext kennenlerne und mich diese nach meinen Hobbys fragen, dann erzähle ich dass ich tanze, dass ich fotografiere und eventuell noch, dass ich Mode liebe. Dass ich blogge, erwähne ich ungern. Und das, obwohl bisher noch nie jemand darauf offen negativ reagiert hat.

Die traurige Wahrheit ist: Es liegt nicht an „dem schlechten Ruf“ der Schnorrer-Blogger und auch nicht an mangelnder Liebe zur Tätigkeit des Bloggens ansich. Nein, es ist mir einfach peinlich. Ich schäme mich, dass nicht nur ich selbst ein Konsumopfer bin, sondern ich andere durch den Blog auch noch zu vermehrtem Konsum anstifte. Ich erzähle es nicht, weil ich nicht als oberflächlich abgestempelt werden möchte, da mir das, seit ich mich mit Mode beschäftige, häufiger passiert ist. Menschen neigen dazu andere direkt in Schubladen zu stecken, doch da fühle ich mich nicht wohl, denn ich bin keine typische Modetussi, kann ich doch selbst mit der ganzen Modewelt nur bedingt etwas anfangen und sehe Kleidung eher als individuelle Ausdrucksform. In meinem natürlichen Design-Umfeld sind sehr viele sehr arty-alternative Menschen unterwegs, die mich im Alltag inspirieren. Mit der Art wie ich meinen Modeblog führe, bin ich eher Mainstream, jemand den vor allen Teenies gut finden. Man hält Alternative oft für so super weltoffen, ich habe aber eher zu spüren bekommen, dass sie nicht mit dir rumhängen wollen, wenn du nicht arty genug bist. Mein Blog ist mir selbst zu Mainstream, nicht „Design“ genug für eine Designstudentin, die demnächst ihren Bachelor macht. Mein Instagramaccount sticht ebenfalls nicht besonders aus der Masse hervor, er sieht aus wie die meisten anderen Accounts. Ein Kommilitone wollte sich meinen Instagramaccount ansehen, ich zögerte es heraus und hoffte, dass er es vergessen wurde. Er vergaß es nicht und ich bemerkte, dass ich nicht hinter dem, was ich poste, stehe. Klar, es sind hübsche Bilder, aber es ist auch massiv Selbstdarstellung und Konsumvorführung und irgendwo in mir drin steckt immer noch ein kamerascheues, kleines Mädchen und eigentlich ein Mensch, der mit ganz wenig glücklich ist und den viel Hab und Gut stresst. Dass mein Kleiderschrank diese Ausmaße annehmen würde, hätte ich nie gedacht und ebenfalls nicht in welchem materiellen Luxus ich leben würde. Ich brauche das alles gar nicht, ein Koffer mit Lieblingssachen reicht und dann ab in den Urlaub – Geld in Erinnerungen investieren.

2010 habe ich mit dem Bloggen begonnen um Momente festzuhalten – meine Fotografien waren emotional und ausdrucksstark und meine Texte waren Gedankenschnipsel und Lyrik. Damals war es okay, dass alle wussten, dass ich blogge, ich war stolz darauf. Es gab kein Instagram und der Blog war eine unübersichtliche Zusammenstellung spontaner Ideen. Ich möchte dahin zurück, ich möchte Fremden meinen Blog zeigen können und stolz darauf sein, möchte mein liebstes Hobby nicht verschweigen müssen. Mode soll darin vorkommen, aber auch Design. Meine Ideen und Gedanken sollen eine Plattform haben und natürlich auch irgendwie Outfits, aber ohne diese extreme Selbstdarstellung – ich möchte kein Social Media Star sein, möchte nicht für mein hübsches Aussehen bewundert werden, sondern für meine gute Arbeit. Ich weiß noch nicht, wie ich das alles zusammen bekomme, aber ich weiß, dass ich so nicht weiterbloggen möchte.

Ich habe euch nochmal drei Blogger rausgesucht, die mich monentan inspirieren, da sie genauso mit ihrem Content umgehen, wie ich das auch gerne würde: Alice M. Huynh, Maja Wyh und Hermine On Walk. Ich werde allerdings niemandem stumpf nacheifern, sondern will etwas Eigenes machen! Das wird dann eventuell so ähnlich aussehen wie dieser Post. Oder ganz anders, ich will da ein bisschen rumprobieren, was mir Spaß macht. Dieses Shooting hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen, was man auch an der Menge der Bilder merkt.

OUTFIT DETAILS:
Jacke: Steve Madden – Shirt: Zara – Jeans: Pimkie*
Gürtel: Polo by Ralph Lauren* Schuhe: Converse
Tasche: Saint Laurent

xoxo Ruth
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ich schäme mich fürs Bloggen
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6 Comments

  • Hi! Lustig, dass Du über das Thema schreibst. Mir geht es grade ehrlich gesagt genauso. Beim Wort „Blogger“ denkt man irgendwie gleich an jemanden, der sich selbst gerne reden/schreiben hört – zumindest ist das immer meine Angst. Noch schlimmer und spitzer finde ich den Begriff „Influencer“, denn das klingt wirklich nach einem „Konsum-Anstifter“, und darum geht es für mich beim Bloggen nicht :) Für mich ist es auch eine Art Pinnwand, auf der man Ideen sammeln und dokumentieren kann. Nur so bleibt es auch für mich als Leser inspirierend und nicht bloß hübsches Hochglanz-Portfolio.
    LG Jelena

  • Genialer Text! Mir geht es ganz genauso und ich kann alles nachvollziehen was du schreibst! Manchmal frage ich mich warum ich überhaupt noch blogge, aber ich tue das für mich selbst, ganz allein deswegen. Und deswegen ist es okay so! Aber ich bin nicht sicher, ob ich so gesehen werden will, wie du es auch beschreibst! Ich bin nicht die typische Modetussi und will eigentlich nicht oberflächlich und Konsumgeil rüber kommen.. aber ich denke mit solchen Posts wie dem hier können wir dem ganz gut entgegen wirken! Ich finde du wirkst super sympathisch und ich lese deinen Blog super gerne, weil er eben nicht Mainstream ist (;

    Liebst,
    Alena
    Lookslikeperfect.net

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