THOUGHTS | Der schlechte Ruf der Blogger

Modeblogger haben mitunter einen schlechten Ruf. Was ich vorher nicht nachvollziehen konnte, wird mir langsam klar. In letzter Zeit habe ich einige Events besucht, auf denen ich verschiedene Dinge erlebt habe, die erklären, warum unser Ruf so schlecht ist. Ich will damit niemanden direkt ansprechen, aber wenn sich ein Blogger hiermit angesprochen fühlt, sollte er oder sie vielleicht mal das eigene Verhalten überdenken. Es ist außerdem nur meine eigene, aber ehrliche Meinung.

1. Blogger, die sich wichtig fühlen

Mit einer guten Bloggerfreundin besuchte ich eine Veranstaltung, wo wir mit einer weiteren Bloggerin ins Gespräch kamen. Diese ließ sich wie eine Königin behandeln und hatte zig Extrawünsche an das Team, war aber sonst sehr nett, sodass wir uns nichts dabei dachten. Mehrere Male erwähnte sie, wie lange sie schon bloggen würde und sprach von ihrem tollen Blog. Neben meiner Freundin, die eine deutlich höhere Reichweite als ich hat, und ihr fühlte ich mich dann ziemlich klein und unbedeutend. „Euch gegenüber habe ich vermutlich kaum Leser“, sagte ich zum Beispiel. Ich weiß, dass Reichweite nicht viel über die Qualität des Blogs aussagt, aber wenn du mit Leuten zusammen bist, die da Wert drauf legen, dann kannst du nicht mitreden. Zurück zu Hause stellten meine Bloggerfreundin und ich fest, dass besagte Bloggerin nur eine verschwindend geringe Reichweite hat. Sie hatte also ziemlich rumgeprahlt und dahinter war dann nur Luft.

Eine andere Situation ergab sich beim Fashionbloggercafe, was ich zusammen mit meinem Freund besuchte. Irgendwie kam ich mit niemandem wirklich ins Gespräch, da sich die Blogger zu Gruppen zusammengesucht hatten, noch bevor wir kamen oder sich schon lange kannten. Die „coolen“ Blogger trugen die Nase ganz schön weit oben, es gab diese Bloggerclique, die nur unter sich blieb. Das kenn ich so noch aus der Schulzeit und meine Schulzeit war grässlich, da will ich nie wieder hin zurück. Blogger, die sich selber so feiern, vergessen gerne mal, dass Blogger nur von Bloggern gekannt werden und fühlen sich durch ihre große Reichweite oberberühmt. Während Youtube-Stars Millionen Fans haben, hat eine der bekanntesten deutschen Bloggerinnen auf Facebook gerade mal 50.000 Fans. 50.000 sind eine Menge, versteht mich nicht falsch, aber Blogger sind bei Personen, die nicht selbst bloggen, einfach ziemlich unbekannt. Und besagte Bloggerin mit 50.000 Facebook-Fans gehörte in Berlin noch nicht einmal zu dieser „coolen Clique“ dazu, sondern wirkte sympathisch und am Boden geblieben.

2. Blogger, die ihrem Blog aus SEO-Gründen einen hässlichen Namen geben

Ich weiß nicht, ob SEO den Nichtbloggern unter euch ein Begriff ist? Falls nicht: SEO ist die Abkürzung für Search Engine Optimisation und bedeutet soviel wie Suchmaschinenoptimierung, was heißt, dass ein Blog bei Google gefunden wird. Einige Blogger lieben SEO, anderen ist es relativ egal. Natürlich ist ein gutes Ranking bei Google optimal und wichtig für den Erfolg eines Blogs, aber man sollte nicht alles dafür tun.

Für einen Modeblog ist „strawberry pie“ ein denkbar schlechter Name, denn wer Strawberry Pie bei Google eingibt, ist meist Amerikaner und sucht einen leckeren Erdbeerkuchen. Auch bei meinen Artikel überlasse ich SEO eher dem Zufall, wenn mein Artikel bei Google gut gerankt wird, dann freue ich mich, aber es stört mich auch nicht, wenn das nicht der Fall ist. Bei der Arbeit schreibe ich viele Artikel auf SEO-optimierte „Keywords“ und die Artikel sehen dann meist auch ein wenig erzwungen aus. Für mich hat das also einfach mit Glaubwürdigkeit zu tun, denn meine Texte sind dann authentisch, wenn ich sie einfach so aus der Feder raus schreibe.

Nun gibt es sogar Blogger, die einen Schritt weiter gehen: Sie benennen ihren Blog um und geben ihm statt einen individuellen Namen einen Namen, der „Fashion“ oder „Mode“ beinhaltet. Ich habe nichts gegen Blogs, die von Anfang an einen solchen Namen haben oder Blogger, die sich ohnehin einen neuen Namen suchen wollten, da sie nicht mehr zufrieden sind. Aber einen Blog nur aus SEO-Gründen umzubenennen? Wer für SEO alles tut, verliert meiner Meinung einiges an Authenzität, außer er/sie macht es so professionell, dass es niemand merkt.

3. Blogger, die sich für Events bezahlen lassen

Ich weiß seit ein paar Tagen, dass es mittlerweile einige große Blogger gibt, die Geld für den Besuch eines Events bekommen. Als ich das erfahren habe, war ich erstmal schockiert. Wenn man ein Event besucht, dann kriegt man meistens die Fahrt, die Unterkunft, Essen und die Veranstaltung bezahlt. Ich selbst habe auch schon Bloggerevents besucht, bei denen ich die Anreise selber zahlen musste. Die Menschen, die das Event planen, geben sich viel Mühe. Am Schluss gibt es oft noch tolle Goodiebags. Ist es nicht ein wenig zuviel verlangt, dann auch noch Geld zu wollen? Sich für eine tolle Einladung noch vergüten zu lassen? Wirklich? Wenn Unternehmen bei diesem neuen Bloggertrend in Zukunft kaum noch Veranstaltungen organisieren, kann ich das gut nachvollziehen.

Anders sehe ich das, wenn Unternehmen Blogger als Testimonials bei Veranstaltungen dabei haben möchten und mit ihnen werben: Dann ist es okay, wenn die Blogger dafür Geld nehmen. Wenn eine 50.000 Facebook-Fans Bloggerin Besucher zu einer Messe oder etwas ähnlichem locken soll, dann darf sie sich dafür auf jeden Fall vergüten lassen.

4. Blogger, die sich untereinander hassen

Es gibt kaum eine so scheinheilige Welt wie die Modewelt. Und hierzu zähle ich auch die Modebloggerwelt. In der Bloggerwelt ist viel Hass und Verlogenheit, das habe ich selten erlebt. Es gibt so einige Modeblogger, die über andere lästern: „In Echt sieht die aber viel fetter aus.“ Diese Blogger gönnen anderen nicht das Schwarze unterm Fingernagel. Wenn einer auf einmal mehr Fans hat, dann sind die auf jeden Fall gekauft. „Die hat mich kopiert“, ein ähnlicher Style und zack – die andere Bloggerin schaut sowieso nur von einem selbst ab. Ich habe es auch schon erlebt, dass eine Bloggerin, von der ich weiß, dass sie meinen Blog liest, einen extrem ähnlichen Look wie ich gepostet hat, aber dann freue ich mich darüber, dass mein Blog sie anscheinend inspiriert hat.

Auch bei Instagram habe ich so etwas neulich gelesen. Ein Mädchen postet ein Bild und ein anderes schrieb darunter: „Die Idee hast du aber von mir!“ Auf dem Profil des anderen Mädchen fand ich nur ein entfernt ähnliches Bild. Das Thema Urheberrecht polarisiert bei Instagram: Klar, ist das ein wichtiges Thema, aber ich habe wirklich schon gesehen, dass einige sich aufregen, wenn jemand ihr Bild repostet, obwohl sie darauf markiert sind. Liebe Instagrammer und Blogger, was haltet ihr von einem etwas weiteren Herzen?

Mit diesem Artikel möchte ich nicht sagen, dass es nur so ist. Es gibt auch ganz tolle, großherzige Blogger und ich habe auch einige wundervolle Freundinnen gewonnen, seit ich blogge. Ich wünsche mir einfach, dass ein solches Verhalten in Zukunft weniger wird. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

xoxo Ruth

21 Comments

  • Oh ja das wird echt immer schlimmer. Ich bin immer neugierig auf Events und freue mich darauf dann andere Blogger kennen zu lernen, aber diese wollen das scheinbar null weil sie ach so viel besser sind. SEO? Kenne ich nicht. Mein Name taucht bei Google auch als Song von keine Ahnung wem auf. Egal, ich hoffe ich bleibe weiterhin am Boden und werde nie so.

  • ich denke, jetzt schreiben viele ja und amen drunter und machen trotzdem so weiter.
    mein blog soll mir bewusst freude bereiten und kein geschäft werden.
    deshalb gehöre ich keinen gruppen/cliquen an.

  • Ein wirklich toll geschriebener Post! Ich war zwar noch nicht auf so vielen Events, weil es geographisch und wegen der Arbeit bei mir oft nicht möglich ist, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige Blogger glauben, sie seien was Besseres… Schade eigentlich…
    Mir persönlich sind Follower-Zahlen nicht sooo wichtig (natürlich freue ich mich immer über neue Leser und Kommentare, ist ja klar :-)) Aber ich blogge in erster Linie, weil es mir total viel Spaß macht mich mit meinen neuen Beauty-Sachen intensiv zu beschäftigen und Reviews darüber zu schreiben. Natürlich gehe ich auch gerne (Produkt-)Kooperationen mit Firmen ein, jedoch schreibe ich immer meine ehrliche Meinung über die Sachen – und das schätzen meine Kooperationspartner.
    Außerdem finde ich, dass der Inhalt jedes einzelnen Blog-Posts viel wichtiger ist als das ganze SEO-Zeug (wo ich eh nicht so ganz durchblicke ^^)

    In erster Linie sollte das Bloggen ja Spaß machen und kein Wettbewerb werden, wer nun mehr Reichweite hat…

    Alles Liebe
    Doris

  • Tja, es ist halt wie auf dem Schulhof. Mir ist dieses Gezicke unter den Bloggern auch schon oft aufgefallen und finde es wirklich schade und etwas kindisch.
    Dieses Abgehobene habe ich schon oft bei Beautybloggern gesehen und gelesen. Wenn dann bei Twitter sowas steht wie „Wieso bekommt jemand mit 100 Lesern ein Testprodukt von „blabla“ zugeschickt und ich nicht“, da dreht sich mir meistens der Magen um. Ausserhalb dieser „Bloggerwelt“ kennt vermutlich kein einziger einer dieser Blogs, also sind sie ganz normale Menschen, egal wie viele Facebookfollower sie haben – und trotzdem tragen manche die Nase höher als die Queen.
    Zum Glück gibt es aber auch noch ganz normale und nette Bloggerinnen, die einfach Spass am schreiben haben :)

  • Ein toller Artikel!
    Ich finde es immer schrecklich, wenn man sich gegenseitig nichts gönnt! Vor allem sollten einen doch die gemeinsamen Interessen vereinen und nicht zum Lästern oder Aufregen anregen.

    Liebe Grüße,
    Maria von fashion-inspires.me

  • Hi Ruth,

    ich bin ein männlicher Gelegenheits-Blogleser und kenne inzwischen so einige der „bekannten“ Blogs.
    Viele der Bloggerinnen sind darauf bedacht, anderen ihr vermeintliches Luxusleben (nein Mädels, auch in den von euch angestrebten Kreisen ist LV keine Nobelmarke und Veuve Cliquot ist immernoch kein edler Champagner) zu zeigen, welches in den seltensten Fällen aus eigener Kraft erarbeitet werden konnte – dazu sind die Ladies deutlich zu jung und mit einem Job „in den Medien“, lässt sich die LV Neverfull eher nicht bezahlen. ;)
    Dazu kommt, dass ein Großteil der bekannten Bloggerinnen offensichtlich viele „sponsored by“-Themen verfasst und das entsprechend hölzern rüberkommt, zumindest bei mir.

    Deutlich lieber sind mir Blogs von sehr natürlichen Bloggerinnen – wie dir – die einen ganz eigenen Stil fernab vom Mainstream haben und dazu noch sehr authentisch rüberkommen.

    Es gibt immer wieder Phasen im Leben, in denen man seinen eigenen Stil neu findet und erfindet, das geht mir mit Mitte dreißig auch so. Und das ist gut so, also bleib wie du bist und hab Spaß auf der Suche, nach deinem Stil. ;)

    LG v.d. Alster

  • Was für ein Zufall, dass ich auf diesen Post gestoßen bin! Ich war letzten Donnerstag auf ein Event eingeladen und habe mal wieder mitbekommen, wie eigen die „größeren“ Blogger doch sind, die geben sich nicht mit Leuten ab, die sie nicht kennen, oder die ihnen nichts „bringen“. Trotzdem habe ich beobachtet, dass die meisten dann einfach nur in kleinen Gruppen etwas blöd rumstanden, während der Rest tatsächlich Spaß hatte!

    Trotzdem denke ich mir oft, dass es auch in einem engen Freundeskreis so ähnlich ist, da achtet man eben nicht so sehr auf außenstehende, die eventuell auch „dabei“ sein wollen …

  • Sehr schöner und super interssanter Artikel. Ich bin ja leider noch zu „klein“ für Blogger-Events, also wurde zumindest noch nie zu welchen eingeladen und bin ja auch vom Land, da gibt es leider auch nicht so viel.:D Wie kommt man denn am besten auf solche Veranstaltungen?
    Würde mich ja schon sehr reizen andere Blogger kennen zu lernen aber hab da auch einen riesen Respekt davor. So viele Mädels auf einem Fleck… :D

    Jedenfalls ein schöner Beitrag :)

    • Am besten lässt du dich in unterschiedlichsten Presseverteilern registrieren!
      Vielleicht hast du ja Glück :)
      Ansonsten einfach warten und beim Fashion Blogger Cafe kann man sich einfach einschreiben!
      Liebe Grüße
      Ruth

    • Nein, Nina Suess meine ich nicht.
      Ich werde auch nicht verraten, wen ich meine, auch wenn viele, die sie kennen, es erraten haben.
      Nina Suess hat doch viel zu viele Leser :D

  • Interessant zu sehen, wie es „hinter den Kulissen“ so ist. Ich war noch nie auf einem Event und in der gesamten Sphäre würde ich mich wohl so fühlen, wie du in dem Fashionbloggercafé. Auf den Blogs bekommt man meist ja nur das Nette und Gute mit. Und etwas Prahlerei.

    Ich finde gut, dass du sagst, wie du das ganze siehst. Leider reflektieren meist die falschen und die, die es tun sollten sind dann auch noch sauer, weil eben die Wahrheit gesprochen wird.

    Ich würde mich über weitere Beiträge dieser Art sehr freuen :)

  • Ich habe über einen Kommentar auf einer anderen Seite hierher gefunden und diesen Artikel finde ich wirklich gut. Ich mag die Art wie du schreibst, das kommt sehr authentisch rüber und ist wie du schon sagst, deutlich angenehmer zu lesen als etwas SEO optimiertes. Wobei SEO auch viel im Hintergrund läuft und man dort sehr viel drehen kann ohne beim Text darauf zu achten.
    Ich werde auf jeden Fall öfter hier vorbeischauen :)
    Wer macht eigentlich deine Fotos? Von denen bin ich schwer beeindruckt.

    • Ich freue mich sehr, dass dir mein Blog gefällt :)
      Meine Photos macht zu 80% mein Freund, nur bei Make Up Posts mache ich die selbst.
      Außerdem bei Posts dieser Art mache ich die Bilder teilweise mit Stativ.
      Vielen Dank für deine lieben Worte!

  • Guter Artikel!
    Aber auch traurig :/ Manchmal bin ich genau aus den Gründen vor Events aufgeregt – nicht wegen den Events selbst – sondern weil ich mir Sorgen mache, ob ich dort nicht Leute treffe, die mich wie einen Feind behandeln (obwohl ich denen ncihts getan hab) – wohl nur aus dem Grund, dass meine Reichweite eben zu unbedeutend ist :D Oder was auch immer – keine Ahnung, wie das in ihren Köpfen funktioniert…
    Naja – ich versuche halt, ich selbst zu bleiben und eigentlich ist das alles echt so eine Kinderkacke!! Bloggen an sich liebe ich – aber manchmal hat man es in dieser Welt eben nicht einfach :D
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

  • Was gefällt Dir an dieser oberflächlichen Mode-Bloggerwelt?

    Auf mich wirken viele Modeblogger nicht ganz helle im Kopf.

    Das Gepose sieht bei ihnen häufig nach akutem Schlaganfall und dringendem Harndrang aus und es wird berichtet, was sie – angeblich – so alles erleben oder unternehmen. Objektiv gesehen ist das jedoch nicht sonderlich viel – sie sind dem Konsum von Trendmarken verfallen. So scheint es.

    Will man so leben? Ich nicht.

    Es ist völlig egal, welchen Fummel man trägt, das ist nur Maskerade. Es kommt auf die Person unter dem Stoff an.

    Alle sind natürlich stets ehrlich zu den Lesern, ihre Meinung ist nicht gekauft. Äh…doch. Man kann nicht mehr unabhängig sein, wenn man sich bezahlen lässt. Egal, wie sehr man es sich selbst und dem User einredet…oder einschreibt.

    Ein Hobbyblog, alles selbst bezahlt…den kann ich ernst nehmen.

    Eigener Stil?! Für mich sehen 80 Prozent der Modeblogger gleich aus und sie stellen Kleidung vor, die für Hungerlöhne produziert wurden. Selbstverständlich erwarten diese Damen jedoch satte Gewinne beim Bloggen.

    Sie sollten für 3 Tacken pro Stunde arbeiten dürfen. Brutto, versteht sich. Immerhin unterstützen sie die Ausbeutung mit.

    Fair gehandelte und hergestellte Kleidungslable werden kaum verbloggt.

    Jedem das, was er verdient. Gerade solche Blogger sollten froh sein, dass sie nicht bekommen, was sie verdienen. ;)

    Wer sich angesprochen fühlt, darf nun Laut geben.

  • Liebe Ruth,

    ich bin da total deiner Meinung! Über diese Dinge denke ich auch oft nach! Deine Gedanken kann ich da total gut nachvollziehen. Schon unglaublich, was es alles für Verhaltensweisen unter Menschen gibt, die so unnötig sind. :/

    Liebe Grüße ♥

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