THOUGHTS | Warum ich kaum noch blogge…

Dies ist vermutlich der ehrlichste Artikel, den ich je geschrieben habe und ich habe wirklich lange überlegt, ob ich ihn überhaupt veröffentliche, da er extrem persönlich ist. Aber da einige von euch mir schon seit vielen Jahren folgen, denke ich, dass es nur fair ist, wenn ihr wisst, wieso ich kaum noch blogge. Ich habe mich in den letzten Monaten extrem zurückgezogen und der Grund ist nicht nur, dass ich ein Problem mit der Branche habe oder keine Bilder mehr gehabt hätte, sondern vor allem meine Einstellung zu mir selbst.

Ich hab‘ verloren.
Ich hab‘ mich besiegt.
Alles bricht zusammen jetzt,
wo ich nicht mehr lüg‘.
TUA – Dein Lächeln

Seit der 7. Klasse war ich eher Außenseiter in der Schule. Ich neigte dazu mich anderen gegenüber entweder sehr unter- oder sehr überlegen zu fühlen. Als ich mich damals mit meiner besten Freundin, die in der Schule sehr beliebt war, stritt, verbot sie den anderen Kindern mit mir zu sprechen. Sie sagte Dinge wie: „Wenn du mit Ruth redest, dann rede ich nicht mehr mit dir.“ Die Folge war, dass ich monatelang von meiner gesamten Klasse ignoriert wurde. Selbst meine angeblichen anderen „Freunde“ sprachen nicht mehr mit mir. Wenn mal jemand mit mir sprach, dann bekam ich zu hören wie eklig oder hässlich ich sei – das fanden die anderen witzig. Ich habe mich nie gemobbt gefühlt, nein, ich wurde komplett ausgeschlossen. Ich habe jeden Tag nach der Schule geweint. Diese Zeit hat massive Schäden an meinem Selbstwertgefühl hinterlassen. Auch wenn man mir heute sagt, dass ich hübsch bin und sogar, wenn ich das im Spiegel selbst so sehe, es kommt nicht bei mir an. Ich fühle mich nicht schön – bis heute nicht! Nach außen gebe ich ein großes Selbstbewusstsein vor, gebe mich arrogant, aber nur um zu Verstecken wie unsicher ich wirklich bin.

Nach dieser Zeit habe ich eine Art Trotz entwickelt – ich wollte den Leuten zeigen, dass ich sein kann, was sie mir nicht zutrauen. Dass ich mehr bin. Das Bloggen war natürlich eine simple Art und Weise sicherzugehen, dass die ganze Welt mitbekommt, wie toll ich eigentlich bin. Obwohl ich mich selbst nicht toll fühle, aber man muss sich ja irgendwie profilieren. Dass all die Leute, die mich damals hässlich nannten, sehen, dass ich es geschafft habe. Dass ich einen gut aussehenden Freund habe und mir der teuerste Friseur kostenlos die Haare schneidet. In meinem Abibuch war ich unter den Top 3 in der Kategorie „Modemuffel“ und jetzt bin ich einer der erfolgreicheren Modeblogger Hamburgs – seht ihr, ich kann mehr sein. Und während ich damit beschäftigt war die Erwartungen der anderen zu übertreffen, habe ich mich selbst verloren. Ich habe vergessen, wer ich selber bin und wer ich sein will. War damit beschäftigt mein ganzes Geld für hübsche Kleidung und teure Kosmetik auszugeben.

In den letzten Wochen habe ich wahnsinnig viel nachgedacht, ich denke zwar immer viel, aber diesmal war es anders. Ich habe mich gefragt, wer ich sein möchte und wie ich mit mir selbst leben kann. Und wenn ich mal eine Pause vom Denken brauchte, dann habe ich Sport gemacht um zu sehen, wie weit ich über meine eigenen Grenzen hinausgehen kann. Ich habe mir den Laptop total abgewöhnt: Während ich früher bei Langeweile direkt zum Computer griff, habe ich jetzt ein Buch gelesen, bin spazieren gegangen oder habe Yoga gemacht. Ich habe mich auf meine eigenen Bedürfnisse konzentriert und entschieden, dass ich mich verändern werde, da ich so nicht glücklich bin. Ich werde anfangen die Dinge zu Ende zu bringen, eine meiner größten Schwächen. Und ich werde eins mit mir sein, dazu muss ich aber vor allem eins tun: Mir meine Fehler eingestehen und endlich lernen allein zu sein – ohne den Drang alles zu teilen, ob nun mit Instagram oder mit einem potenziellen Partner.

Andererseits war ich in den letzten Wochen viel unterwegs und konnte meine so verhasste Schüchternheit ein Stück weit ablegen. Es fiel mir immer leichter neue Leute anzusprechen und kennenzulernen und ich hatte eine wahnsinnig gute Zeit mit Menschen, die mir vorher fremd waren, die nun meine Freunde sind. Habe Nächte durchgetanzt und mich bis in die Morgenstunden unterhalten. Ich war so beschäftigt mit Leben in den letzten Wochen, dass ich für das Bloggen schlicht und ergreifend kaum Zeit gefunden habe und außerdem hatte ich wenig Bedürfnis danach meine Erlebnisse zu teilen, da ich es ausreichend fand sie einfach für mich zu erleben.

Ich hoffe, ihr versteht das. Eventuell werde ich einen Mittelweg finden, wo ich ein wenig blogge, aber mein Leben trotzdem genieße. Eventuell werde ich auch weiterhin kaum noch bloggen. Ich weiß es nicht, ich werde sehen, wohin mich das führt.

xoxo Ruth
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3 Comments

  • Ich kann dich ein Stück weit verstehen; Jetzt, da ich mein Studium beende und bald einen Job beginnen werde, möchte ich mich auf meinen Beruf konzentrieren, wieder mehr Sport machen, Freunde finden und endlich das Gefühl haben in der neuen Stadt angekommen zu sein. Sich immer hinter seinem Laptop zu verschanzen, kann einen ziemlich von der Welt isolieren.. Ganz mit dem Bloggen aufzuhören, kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Ich bin gespannt, wohin dein Weg dich führen wird (wenn wir denn davon erfahren.).
    Liebe Grüße ♡Kristina
    TheKontemporary

  • ich finde es schön, dass du selbst erkannt hast, dass du „arrogant“ geworden bist.
    Ich habe den größten Respekt, dass du öffentlich dazu stehst und ich glaube auch, dass du es tief in deinem herzen nicht bist!
    ich fand, dass du dich eigentlich dadurch abgehoben hast, weil du ein nettes mädel warst, zu anfang deiner blogger karriere….
    viel kraft weiterhin bei der selbstfindung!

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